MEINE KURPFALZ

„Stärker als irgendwo sonst auf der Welt“

Jürgen Spieß, Doppel-Europameister, zehnfacher Deutscher Meister und dreimaliger Olympiateilnehmer im Gewichtheben, über die bizarren Auswirkungen des Dopingproblems in seiner Sportart, die Freude des Vielreisenden auf das Heimkommen in die Kurpfalz und die Getränkebestände im Kühlschrank der Trainingshalle der Bundesligamannschaft des AV 03 Speyer.

Eichbaum aktuell: Herr Spieß, 2009 wurden Sie bei der Gewichtheber- EM in Bukarest Europameister im Zweikampf und im Stoßen. Ist das für einen sauberen Athleten in Ihrer Sportart mehr wert als die 23 Goldmedaillen des erfolgreichsten Olympioniken Michael Phelps?

Jürgen Spieß: So weit würde ich jetzt wirklich nicht gehen. Die Goldmedaillen von Michael Phelps sind natürlich etwas absolut Einmaliges, das so schnell wohl niemand mehr erreichen wird. Aber die EM-Titel waren für mich tatsächlich ein riesiger Erfolg. Wenn du zum ersten Mal da ganz oben auf dem Treppchen stehst und deine Hymne hörst, das ist schon überwältigend.

Eichbaum aktuell: Kurz vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 haben Sie in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen anschließend oft zitierten Satz gesagt: „Wir werden von vorne bis hinten verarscht.“ Wogegen genau richtete sich damals Ihr Zorn?

Jürgen Spieß: Im Grunde ist die Dopingproblematik ja nicht neu, aber die Auswirkungen gerade auch in unserer Sportart sind in den letzten Jahrzehnten noch einmal deutlich extremer geworden. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass heute beispielsweise aus der ehemaligen Sowjetunion etwa zehn Mal so viele Athleten bei internationalen Wettkämpfen antreten dürfen, weil sie inzwischen unterschiedliche Staaten repräsentieren. Das heißt: Eine persönliche Leistung, mit der man sich in einem sauberen Starterfeld Goldhoffnungen machen dürfte, reicht oft nur noch für einen Top-Ten-Platz bei Weltmeisterschaften.

„Die Goldmedaille von Matthias Steiner hat uns alle mitgerissen“

Eichbaum aktuell: Sie haben bei Olympia 2008, 2012 und 2016 jeweils die Plätze neun und zehn in Ihrer Gewichtsklasse erreicht. Wie viele der vor Ihnen platzierten Gegner kamen aus Ländern, denen man systematisiertes Doping vorwirft?

Jürgen Spieß: Für 2008 lässt sich das am leichtesten beantworten: Da waren es alle. Drei davon hat man später auch erwischt, deshalb bin ich offiziell noch auf Platz sechs vorgerückt. Aber das ändert letztlich natürlich nichts an der Situation. Denn selbst wenn die Athleten gesperrt werden – die Trainer und Funktionäre dürfen weitermachen und schicken beim nächsten Mal eben andere Sportler ins Rennen, von denen man vorher noch nie etwas gehört hatte.

Eichbaum aktuell: Wenn Sie heute nicht als Sportler, sondern als Kurpfälzer an Ihre olympischen Reisen nach Peking, London und Rio zurückdenken: Wo schmeckte das Bier am besten?

Jürgen Spieß: Mir persönlich hat das Feiern in Peking am meisten Spaß gemacht. Das lag aber sicherlich nicht an der Qualität des chinesischen Biers, sondern ganz einfach an der Atmosphäre. Es waren meine ersten Olympischen Spiele, ich selbst konnte eine neue Bestleistung aufstellen und die Goldmedaille von Matthias Steiner hat natürlich das gesamte deutsche Team in Hochstimmung versetzt.

Eichbaum aktuell: Haben Sie auf Ihren sportlichen Weltreisen im Lauf Ihrer mittlerweile fast 15 Jahre langen internationalen Karriere ein Bier kennengelernt, das es mit den Spezialitäten von Eichbaum aufnehmen könnte?

Jürgen Spieß: Definitiv nicht. Für meinen Gaumen schmecken die ausländischen Biere meistens ein bisschen wässrig. Ich könnte Ihnen jetzt beim besten Willen kein einziges nennen, das mit meinem Lieblingsbier, dem klassischen Eichbaum Pilsener, vergleichbar wäre.

„In der Kurpfalz fühle ich mich wohler als am schönsten Strand“

Eichbaum aktuell: Sie sind in Heidelberg aufgewachsen, starten in der Bundesliga für den AV 03 Speyer und wohnen in der Nähe des Olympiastützpunkts in Leimen. Mit welcher dieser Städte verbinden Sie die stärksten heimatlichen Gefühle?

Jürgen Spieß: Ohne den anderen Kurpfälzern damit zu nahe treten zu wollen: Aber ich bin schon ein stolzer Heidelberger. Hier habe ich die meisten meiner Freunde, die Familie wohnt auch hier und es gibt für mich nichts Schöneres, als nach einer Reise aus dem Trainingslager oder vom Wettkampf wieder hierher zurückzukommen. Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir am meisten bedeuten, ist eigentlich mein einziges Hobby. Das kann an der Kneipenmeile in der Unteren Straße in Heidelberg sein, im Schlosspark in Schwetzingen oder in einem Eiscafé in der Fußgängerzone in Speyer – in der Kurpfalz gibt es viele Orte, an denen ich mich zu Hause fühle und die mich weitaus stärker anziehen als jeder Traumstrand irgendwo auf der Welt.

Eichbaum aktuell: Drückt sich denn Ihre Heimatverbundenheit auch in Ihren kulinarischen Vorlieben aus?

Jürgen Spieß: Ja, klar. Ich bin auf dem Land auf einem Bauernhof groß geworden und da gab es schon immer gutbürgerliche und traditionelle Gerichte. Vieles von dem findet sich auf keiner Speisekarte eines Restaurants. Deshalb lade ich mich auch heute noch mindestens zwei Mal pro Woche bei Mama zum Essen ein.

Eichbaum aktuell: Die Privatbrauerei Eichbaum hat vor Kurzem drei neue UREICH-Varianten auf den Markt gebracht: ein Aktiv Leichtbier, ein Aktiv Grapefruit Radler Alkoholfrei und ein Alkoholfreies Pils. Die passen vermutlich ganz gut in den Ernährungsplan eines Hochleistungssportlers.

Jürgen Spieß: So ist es. Vielleicht sollte ich mit meinen Mannschaftskollegen vom AV 03 Speyer mal darüber nachdenken, im Kühlschrank der Trainingshalle einen festen Platz dafür zu reservieren – im Moment ist der immer voller Karamalz.

Eichbaum aktuell: Herr Spieß, wir bedanken uns für das Gespräch.