MEIN PFÄLZER WALD

„Am meisten fasziniert
mich das Toskana-Flair“

Wolfram Kurschat, Wahl-Pfälzer und hochdekorierte Mountainbike- Legende, über die physische und psychische Härte seiner Sportart, den Facettenreichtum des Trainingsreviers vor seiner Haustür und die Frage, welche leiblichen Genüsse sich ein Topathlet erlauben darf.

Eichbaum aktuell: Herr Kurschat, „wenn du im Ziel noch einen Meter weiter fahren kannst, hast du was falsch gemacht“: Das ist der Satz, mit dem Sie wohl am häufigsten zitiert werden. Sind professionelle Mountainbiker in der physisch härtesten Sportart der Welt unterwegs?

Wolfram Kurschat: Ohne den Kollegen aus anderen Disziplinen zu nahe treten zu wollen: Ich glaube, die Anforderungen, die ein Mountainbiker erfüllen muss, wenn er vorne dabei sein will, sind in der Tat so komplex und so vielfältig wie in kaum einer anderen Sportart. Mit körperlicher Härte allein ist es nämlich nicht getan, genauso wichtig ist die mentale Stärke. Denn ein Mountainbike- Rennen gleicht im Grunde einem Ritt auf der Rasierklinge: Ein Fahrfehler reicht, und du zerschellst an irgendeinem Felsen, wenn du Pech hast. Deshalb geht es bei uns eben nicht nur um Maximalkraft und Kraftausdauer, sondern auch um perfekte Koordination und um permanente Konzentration auf höchstem Niveau. All das musst du auf Knopfdruck 90 Minuten lang in vollem Umfang abrufen, sonst siehst du kein Land in der nationalen oder gar internationalen Spitze. Nach der Ziellinie darfst du dann gerne zusammenbrechen.

Eichbaum aktuell: Sie waren fast 20 Jahre Vollprofi, haben Deutsche Meistertitel gesammelt wie andere Leute Payback- Punkte und lassen Ihre Karriere jetzt allmählich ausklingen.Wie hat Ihr Körper die permanenten Extrembelastungen überstanden?

Wolfram Kurschat: Ich habe eigentlich immer konsequent darauf geachtet, eine gute Balance zu finden zwischen Höchstleistung und Gesundheit. Das ist mir im Großen und Ganzen ziemlich gut gelungen. Und nicht nur das: Ich kann von den Fähigkeiten, die ich mir als Mountainbiker antrainiert habe, nach meiner Karriere enorm profitieren, weil ich mich physisch und psychisch auch fast jeder nicht-sportlichen Herausforderung gewachsen fühle.

Eichbaum aktuell: Inzwischen haben Sie auch als Trainer den internationalen Durchbruch geschafft – mit dem Sieg Ihres Schützlings Lukas Baum bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2013 als vorläufigem Höhepunkt. Welche Talente muss ein Nachwuchsfahrer mitbringen, um es ganz nach oben zu schaffen?

„Die Kunst des Trainers ist es, im richtigen Moment zu pushen oder zu bremsen“ 

Wolfram Kurschat: Vor allem muss er bereit sein, sich zu quälen, seine Grenzen auszuloten und sportliche Niederlagen nicht als Rückschlag, sondern als Ansporn zu sehen. Andererseits darf er sich aber auch nicht nonstop überfordern, weil dann die Gefahr besteht, dass er in wichtigen Phasen der Saison nicht seine beste Leistung bringen kann. Die Kunst des Trainers besteht nicht zuletzt darin, in den richtigen Momenten zu pushen oder zu bremsen.

Eichbaum aktuell: In dieser Saison schicken Sie erstmals ein eigenes Montainbike-Team an den Start. Neben sportlichen Erfolgen haben Sie dabei auch die späteren beruflichen Perspektiven Ihrer Fahrer im Blick. Wie genau funktioniert dieses innovative Konzept?

Wolfram Kurschat: Die Idee dahinter lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Grundsätzlich kann ein Rennfahrer die Softskills, denen er seine sportlichen Erfolge verdankt, auch danach im Beruf höchst effizient einsetzen. Diese Gelegenheit bekommt er aber in der Regel nur, wenn er sich nicht im Anforderungsprofil des Sports verliert und nach der Karriere ohne Ausbildung da steht. Deshalb sehe ich mich als Teamchef auch in der Rolle eines Mentors und versuche, bei meinen Jungs frühzeitig die entsprechenden Weichen zu stellen.

Eichbaum aktuell: Ihr Trainingsrevier ist der Pfälzerwald. Auf welchen Strecken stehen die Chancen am besten, Sie zu treffen?

Wolfram Kurschat: Am liebsten bin ich im Weinbiet oberhalb von Neustadt an der Weinstraße unterwegs. Das ist sozusagen mein Hausberg – eine wirklich tolle Ecke, in der auch jährlich der Neustadt- Marathon stattfindet. Die konkrete Route suche ich mir dann je nach Schwierigkeitsgrad passend zur jeweiligen Trainingsphase aus.

Eichbaum aktuell: Gibt es auf Ihrem Hausberg auch Streckenprofile, die von Hobbybikern zu bewältigen sind?

Wolfram Kurschat: Auf jeden Fall. Im Weinbiet findet eigentlich jeder die Tour, die zu ihm und seinem individuellen Leistungsvermögen passt. Außerdem laden in dem Gebiet natürlich auch eine ganze Reihe gemütlicher Lokale zum Pausemachen ein. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören zum Beispiel Thomas‘ Waldweinstube oberhalb von Deidesheim oder – wenn’s ein bisschen exklusiver sein soll – Netts Landhaus in Gimmeldingen direkt vor meiner Haustür.

„Die Menschen haben es mir leicht gemacht, mich hier zu Hause zu fühlen“ 

Eichbaum aktuell: Sie kommen ursprünglich aus dem Ruhrgebiet und haben sich 1998 für die Pfalz als Wahlheimat entschieden. Was fasziniert Sie am meisten an der Region?

Wolfram Kurschat: Ganz klar: das Toskana-Flair. Ich mag eigentlich fast alles hier: das Klima, die liebevoll herausgeputzten Weinanbaugebiete, das Naturparadies des Pfälzerwalds, des größten zusammenhängenden Waldgebiets in Deutschland – und natürlich auch die Menschen, die es mir von Anfang an sehr leicht gemacht haben, mich hier zu Hause zu fühlen.

Eichbaum aktuell: Sind Sie mittlerweile soweit „integriert“, dass im Hause Kurschat schon mal der berühmte Saumagen auf den Tisch kommt?

Wolfram Kurschat: Nein. Ehrlich gesagt: Ich bin sehr froh darüber, dass inzwischen immer mehr Gastronomen erkannt haben, dass zur deutschen Toskana geradezu perfekt die mediterrane Küche passt.

Eichbaum aktuell: Im Steckbrief auf Ihrer persönlichen Website haben Sie auf die Frage „Was mag ich gar nicht“ geantwortet: „Ein Frühstück ohne Kaffee“. Fällt die sommerliche Grillwurst ohne ein frisches UREICH in dieselbe Kategorie?

Wolfram Kurschat: Wie vorhin schon angedeutet: In unserem Sport hast du keine Chance, wenn du nicht zumindest 360 Tage im Jahr ziemlich asketisch lebst. Schweres Essen und alkoholhaltiges Bier kommen für mich deshalb nur äußerst selten in Frage.

Eichbaum aktuell: Und wie sieht es mit alkoholfreien Bierspezialitäten aus?

Wolfram Kurschat: Die passen natürlich viel besser in meinen Fitnessplan – vor allem, wenn sie isotonisch sind wie das alkoholfreie Hefeweizen von Eichbaum.

Eichbaum aktuell: Herr Glock, wir bedanken uns für das Gespräch.