MEIN MANNHEIM

„Ein Maimarkt ohne Eichbaum ist nicht denkbar“

Stefany Goschmann, Organisationschefin des Mannheimer Maimarkts, über die wechselvolle Geschichte der größten deutschen Regionalmesse, ihre historische Partnerschaft mit Eichbaum und
den Ort, an dem sie am besten entspannen kann.

Eichbaum aktuell: Frau Goschmann, der Mannheimer Maimarkt hat eine Tradition, die zurück bis ins Jahr 1613 reicht. Was waren die Meilensteine in der Entwicklung?
Stefany Goschmann: Mit der Geschichte könnte man natürlich ein Buch füllen. Ganz zu Beginn war der Maimarkt eigentlich ein Viehmarkt, aber es sind auch Händler von weither gekommen, um die Region mit Waren zu versorgen. Der Standort ist innerhalb der Stadt immer wieder verlegt worden, teilweise auch vor die Tore Mannheims. In den 1950er-Jahren ging das Interesse der Menschen dann deutlich zurück, der Tiefpunkt lag bei 17.000 Besuchern.
Meine Familie hat die Organisation 1962 übernommen und konnte nach einer harten Aufbauphase bereits 1967 mehr als 200.000 Gäste begrüßen. Die Marke Maimarkt wurde dabei erhalten, aber die Veranstaltung hat sich zur Regionalmesse gewandelt. Geblieben ist die Verbindung zum Viehmarkt mit den Tierschauen, die einerseits eine Verbeugung vor der Geschichte darstellen, andererseits aber auch eine Plattform für die Landwirte und nicht zuletzt ein Eldorado für Kinder. Ein wichtiger Meilenstein war dann auch die Veranstaltung 1983, bei der wir zum ersten Mal über 400.000 Besucher hatten.

Eichbaum aktuell: Nur unwesentlich jünger als der Maimarkt ist ein anderes Wahrzeichen Mannheims: die Privatbrauerei Eichbaum. Kann man sagen, dass diese beiden regionalen Institutionen gemeinsam groß geworden sind?
Stefany Goschmann: Auf jeden Fall. Ich bin davon überzeugt, dass es seit Gründung der Brauerei im Jahr 1679 keinen einzigen Maimarkt gab, auf dem kein Eichbaum-Bier ausgeschenkt worden wäre. Und es wird ganz sicher auch in Zukunft keinen geben. Dabei denke ich nicht nur an den eigenen Stand der Brauerei, sondern vor allem auch an das Festzelt. Soviel ich weiß, sieht Festwirt Peter Brandl das genauso: Ein Maimarkt ohne Eichbaum ist nicht denkbar.

Eichbaum aktuell: Heute gilt der Maimarkt als die größte Regionalmesse Deutschlands. Nach welchen Kriterien wird diese Rangliste erstellt?
Stefany Goschmann: Dazu gehören die Zahl der Aussteller, die Zahl der Besucher und die belegte Fläche. Und wir liegen in allen drei Kategorien mit weitem Abstand an der Spitze: mit rund 1.400 Ausstellern, 350.000 Besuchern und 75.000 Quadratmetern Netto- Standfläche.

„Gleich kommen Leute und holen Dein Klavier.“

Eichbaum aktuell: Bei Events dieser Größenordnung muss fast zwangsläufig auch mal was schiefgehen. Können wir Sie animieren, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern?
Stefany Goschmann: Natürlich passieren Fehler, aber in der Regel gelingt es uns, sie sehr kurzfristig zu beheben, teilweise auch mit unkonventionellen Mitteln. Was ich damit meine, verdeutlicht vielleicht am besten eine Geschichte aus meiner Kindheit. Damals organisierte mein Vater den Maimarkt, und er rief mich eines Tages an und sagte lediglich: „Stefany, gleich kommen Leute und holen Dein Klavier.“ Und tatsächlich: Es kamen Leute und holten mein Klavier. Die Erklärung habe ich erst später bekommen: Es ging um eine Veranstaltung, bei der man an alles gedacht hatte – nur nicht an das Instrument für den Pianisten.

Eichbaum aktuell: Dank der Bedeutung des Maimarkts haben Sie stets den Finger am Puls der Konjunktur. Wie geht es der Region heute?
Stefany Goschmann: Unsere regelmäßigen Aussteller- und Besucherbefragungen ergeben da in der Tat ein ganz gutes Bild. Demnach erlebte die Region vor etwa fünf Jahren eine schwierigere Phase, aber seit zwei Jahren geht es wieder spürbar bergauf. Zuletzt wurden in elf Tagen Maimarkt Waren für rund 150 Millionen Euro verkauft, Nachmesseumsätze nicht mitgerechnet.

Eichbaum aktuell: Vor zwei Jahren feierten Sie Ihr 400-jähriges Jubiläum. Wie schwierig war und ist es für Sie und Ihr Team, sich nach einem solchen Höhepunkt immer wieder neu zu Höchstleistungen zu motivieren?
Stefany Goschmann: Im Grunde haben wir gar keine Zeit, darüber nachzudenken, weil es nach der Veranstaltung sofort wieder weitergeht. Und glauben Sie mir: Wer nicht motiviert ist, der hält das gar nicht aus.

Eichbaum aktuell: Welche Highlights erwarten Ihre Gäste in diesem Jahr?
Ein Anziehungspunkt für Groß und vor allem Klein – die Tierschauen auf dem MaimarktgeländeStefany Goschmann: Eines der Erfolgsheimnisse des Maimarkts ist, dass wir eine faszinierende Mischung aus Neuem und Bewährtem, aus Schönem und Spektakulärem bieten. Allein die fantastische Produktvielfalt in 47 Hallen und auf dem großen Freigelände ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und dazu kommt jede Menge Infotainment, viele spannende Einzelveranstaltungen und natürlich ein Festzelt, in dem man es sich so richtig gut gehen lassen kann. Außerdem wird auf dem Maimarkt auch wieder das Mannheimer Frühlingsfest gefeiert.

Eichbaum aktuell: Haben Sie denn selbst auch Gelegenheit, sich während der Veranstaltung mal ein oder zwei UREICH am Eichbaum- Stand zu gönnen?
Stefany Goschmann: Da gibt es sogar mehrere Gelegenheiten: beim Presserundgang, beim Rundgang der Bürgermeister, beim Empfang des Landwirtschaftsministers – Sie sehen: Ich komme nicht zu kurz.

Eichbaum aktuell: Und wenn Ihnen einmal nicht der Sinn nach Trubel steht – welche Orte in Mannheim und Umgebung favorisieren Sie, wenn Sie einfach mal abschalten wollen?
Stefany Goschmann: Ehrlich gesagt: Dann bin ich am liebsten zuhause. Wenn lieber Besuch von weiter her kommt, gibt’s natürlich einiges zu zeigen: das Heidelberger Schloss, den Speyerer Dom, den Dom in Worms, den Luisenpark – und manchmal auch ganz Mannheim im Rahmen einer Stadtrundfahrt.

Eichbaum aktuell: Was ist eigentlich Heimat für Sie?
Stefany Goschmann: Wir sprechen zwar heute viel von der Metropolregion Rhein-Neckar, die einen wichtigen Faktor für Wissenschaft und Wirtschaft darstellt – aber meine Heimat ist und bleibt die Kurpfalz mit ihren historischen Wurzeln. Und eigentlich sehe ich darin keinen Widerspruch.

Eichbaum aktuell: Frau Goschmann, wir bedanken uns für das
Gespräch.