Ein Händchen für alles

EIN TAG MIT NORBERT ERHARD UND ANDREAS IHRIG

In einer Brauerei gibt es einiges, was kurzfristig einmal ausfallen kann: Viele Kilometer Produktionsleitungen, an die 200 Pumpen, hunderte von Einsitz- und Doppelsitz-, Klappen- und Wechselventilen, dazu Reinigungs- und Antriebstechnik, Abwasser, Heizung und die Kraftanlage. Dann sind Norbert Erhard und Andreas Ihrig mit dafür verantwortlich, dass es so schnell wie möglich weiter gehen kann. Eichbaum aktuell hat den beiden Mitarbeitern der Betriebsschlosserei einen Tag lang das Werkzeug angereicht.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung: Der berühmte Romantitel des englischen Bestsellerautors Eric Malpass passt eigentlich ganz gut zu den typischen Arbeitstagen von Norbert Erhard und Andreas Ihrig. Pünktlich um diese Uhrzeit nämlich sitzen der Leiter der Betriebsschlosserei der Privatbrauerei Eichbaum und sein Stellvertreter routinemäßig zusammen und verteilen die anstehenden Arbeiten an die hauseigenen Schlosser. „Aber meistens ist der schönste Plan spätestens um zehn schon wieder hinfällig, weil irgendwo irgendwas passiert ist, das wir innerhalb kürzester Zeit in den Griff kriegen müssen“, sagt Andreas Ihrig – und fügt mit einem Achselzucken hinzu: „Wahrscheinlich ist es ja genau das, was die Aufgabe hier so ungeheuer reizvoll macht. Jeden Tag dasselbe zu tun, wäre mir auf Dauer ganz einfach zu langweilig.“

Abwechslung gibt es in der Tat mehr als genug für die acht Eichbaum-Betriebsschlosser in der Flaschenabfüllung und in der Zentralwerkstatt sowie für ihre drei Kollegen in der Bauabteilung, die ebenfalls zum Team gehören. Zwischen November und März stehen schwerpunktmäßig TÜV-Termine und Wartungsarbeiten auf dem Programm. Dann werden zum Beispiel der Läuterbottich, die Schrotmühle, Ventilklappen und Antriebe auf Vordermann
gebracht – oft auch samstags und sonntags, wenn die Woche über wegen zu vieler unplanmäßiger Reparatureinsätze zu wenig Zeit dafür bleibt. Bei der Inbetriebnahme neuer Anlagen müssen sich die Betriebsschlosser nicht nur in Schulungen mit der jeweiligen Technik vertraut machen, sie übernehmen auch klar umrissene Aufgaben bei deren Eingliederung in die bestehende Infrastruktur: Bei der kürzlich erfolgten Installation der neuen Dosen-Abfüllung waren sie zum Beispiel für die Verlegung und den Anschluss der Produktionsleitungen zuständig.

In der Hauptsache aber sind die Betriebsschlosser so etwas wie die die schnelle Eingreifgruppe der Privatbrauerei Eichbaum. Sie sind diejenigen, die gerufen werden, wenn an einer der 200 Pumpen, an einem der vielen hundert Ventile, irgendwo entlang der kilometerlangen Leitungen, an einer der zahllosen Komponenten der Reinigungs- und Antriebstechnik, im Umfeld der Kraftanlage oder in den Bereichen Abwasser und Heizung ein Fehler auftritt. „Und wenn hier auf dem Betriebsgelände etwas kaputt geht oder die Jalousien in einem der Büros klemmen, dann klingelt auch bei uns das Telefon“, umreißt Norbert Erhard den erweiterten Einsatzbereich seiner Abteilung.

Da sich technische Defekte leider nicht an reguläre Arbeitszeiten halten, werden die beiden Teamchefs mitunter auch nachts oder am Wochenende in den Betrieb gerufen, wenn ansonsten die Produktion stillstehen würde. „Der ganz normale Wahnsinn halt“, sagt Erhard. „Aber ein sehr angenehmer Wahnsinn – nicht nur für Andreas und mich, sondern auch für unsere Mitarbeiter. Wir Betriebsschlosser sind sozusagen eine verschworene Gemeinschaft. Wir halten zusammen und helfen uns, wo wir können. Wenn ich samstags um drei Uhr morgens einen aus dem Team anrufe, dann steht der eine Stunde später hier auf der Matte.“

Genau das ist auch der Grund, warum die Privatbrauerei Eichbaum seit jeher auf eine eigene Hausschlosserei setzt und diesen Aufgabenbereich nicht einmal auf dem Höhepunkt des allgemeinen Trends zum so genannten Outsourcing an Fremdfirmen vergeben hat. Ganz im Gegensatz zu manchen Wettbewerbern, die inzwischen jedoch teilweise auch schon wieder zurückrudern. „Wir arbeiten lediglich mit fünf Schweißern einer Fremdfirma zusammen“, sagt Andreas Ihrig. „Und das funktioniert nur deshalb so gut, weil sie tagein tagaus bei uns im Betrieb sind und ebenso wenig wie wir pünktlich um vier Feierabend machen, wenn Not am Mann ist. Im Normalfall aber sind eigene Mitarbeiter nicht nur motivierter, sie verfügen auch über weitaus mehr Erfahrung mit der komplexen Technik.
Wir gehen ganz einfach mit offenen Augen durch den Betrieb und sehen manche Probleme deshalb schon, bevor ein Defekt entsteht.“ Wie intensiv Ihrig seine Aufgabe lebt, wird spätestens auf einem gemeinsamen Rundgang durch die Brauerei klar: „Alles was glänzt, sind wir“, erklärt er beispielsweise im Gärkeller und zeigt auf die vielen verchromten Ventile. Wie sehr er sich mit der Privatbrauerei Eichbaum identifiziert, machte er schon viel früher deutlich – als einer der Hauptdarsteller der Werbekampagne „Ich bin und bleibe Eichbaum“. Dass sein Gesicht damals auf Plakaten und in Anzeigen in ganz Eichbaum-Land zu sehen war, wurde für ihn zu einer einzigartigen Erfahrung. „Natürlich bin ich oft darauf angesprochen worden – nicht nur intern, sondern auch draußen. Manche Leute wollten sogar ein Foto von mir schießen. Zum Glück musste ich keine Autogramme geben, das wäre mir dann vielleicht doch ein bisschen komisch vorgekommen.“