Nachwachsende Frohstoffe

EIN TAG MIT WILLI SCHWEGLER, LANDWIRT

Ein paar Wochen noch können Biergenießer einer der wichtigsten Zutaten ihres Lieblingsgetränks aus nächster Nähe beim Wachsen zusehen. Fast überall in der Region bauen ausgewählte Landwirte exklusiv für Eichbaum Braugerste an – und wachen von der Aussaat im Februar bis zur Ernte im Juli nach allen Regeln der heimischen Agrarkunst über deren Qualität. Einer von ihnen ist der Heidelberger Willi Schwegler.Wir saßen einen Tag lang neben ihm „auf dem Schlepper“.

Sie ist ganz ohne Zweifel die beste Mitarbeiterin, die man sich vorstellen kann – aber gleichzeitig auch die eigenwilligste. „Die Natur hat ihre eigenen Gesetze“, sagt Willi Schwegler. „Wenn sie dir wohlgesonnen ist, macht die landwirtschaftliche Arbeit so viel Spaß wie kaum etwas anderes auf der Welt. Wenn nicht, dann wird es richtig hart.“ Tatsächlich genügen wenig spektakuläre Launen der Natur, um dem Bauern das Leben schwer zu machen. Manchmal sind es sogar Dinge, die der Nichtlandwirt nicht wirklich zur Kenntnis nimmt. Zum Beispiel die Tatsache, dass es im Winter 2013/14 kaum Bodenfrost gab. „Braugerste“, erklärt Schwegler, „braucht ein feinkrümeliges Saatbeet. Die vielen Niederschläge im Herbst führen zwar hier bei uns in der Region meist dazu, dass der Boden sehr dicht lagert. Aber das ist normalerweise kein Problem, weil die Schicht dann bei Minustemperaturen aufplatzt und sich damit auflockert. Wenn dieser Schritt ausbleibt, haben wir ein echtes Problem.“

Bei der folgenden Arbeit auf den Feldern kostet dieses Problem dann sowohl Zeit als auch Geld. Nach dem Pflügen im Winter steht Ende Februar oder Anfang März der erste Schritt auf dem Programm. Dann wird in einem Durchgang die Erde mit einer Kreiselegge zerkleinert und das Saatgut ausgebracht. In der Regel ist der Schlepper dabei mit etwa sieben Stundenkilometern unterwegs – in diesem Jahr waren es wegen des dicht gelagerten Bodens gerade einmal drei. Außerdem wurde das Ganze zu einer regelrechten Materialschlacht: Der Energieverbrauch lag etwa doppelt so hoch wie üblich, von all den abgebrochenen Eggenzinken ganz zu schweigen.

Natürliche Unwägbarkeiten prägen auch anschließend den gesamten Lebenszyklus der Braugerste. So muss der Landwirt beispielsweise nach den Ergebnissen einer Bodenanalyse Ende März oder spätestens Anfang April entscheiden, wie viel Stickstoff die Erde zusätzlich braucht. Doch zu diesem Zeitpunkt kann er logischerweise noch nicht wissen, wie das Wetter in den kommenden Monaten wird. Bei zu trockener Witterung kann sich die Erntemenge ohne Weiteres halbieren, was wiederum doppelt negative Auswirkungen für den Landwirt hätte. Denn bei deutlich geringerer Tonnage würde sich der Eiweißgehalt der Gerste so weit erhöhen, dass sie zum Bierbrauen nicht mehr geeignet wäre, sondern nur noch für die Futtermittelherstellung – mit entsprechenden Abschlägen auf den Verkaufspreis.

„Bei uns können die Menschen sicher sein, dass alles mit rechten Dingen zugeht“

Eigentlich gibt es also nur eine Größe, die wirklich festgeschrieben ist in diesem alljährlichen Wechselspiel der Naturgewalten rund um die Braugerste – und das ist die Qualität. Dies gilt im Übrigen nicht nur für die vertraglich prozentual exakt fixierten Parameter wie den Eiweißanteil (maximal 11,5 Prozent), die Feuchtigkeit (maximal 14,5 Prozent) oder die Keimfähigkeit (mindestens 95 Prozent). Es gilt vor allem auch im Hinblick auf die regionalen Besonderheiten einer natürlichen Zutat, die direkt vor Ort angebaut wird. „Wir waren vor Kurzem auf einer Studienreise in Südafrika und haben auf den Feldern dort fast nur genveränderte Lebensmittel gesehen“, erzählt Willi Schwegler. „Bei uns können die Menschen sicher sein, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Das heißt zum Beispiel auch, dass wir Schädlingen nur dann zu Leibe rücken, wenn es wirklich sein muss. Und dass wir sämtliche Mittel, die wir auf dem Feld verwenden, ganz genau dokumentieren.“ Dieser Qualitätsanspruch wird durch regelmäßige Kontrollen gewährleistet.

Möglicherweise könnte es sich Willi Schwegler ein bisschen einfacher machen, wenn er statt der qualitativ exakt überwachten Braugerste wie neuerdings so viele seiner Kollegen Pflanzen zur Energiegewinnung anbauen würde. Aber dagegen sprechen mindestens drei Gründe. Erstens passt die Sommergerste optimal in die Fruchtfolge seines 45-Hektar-Hofs. Zweitens verbindet ihn mit Eichbaum inzwischen eine mehrjährige Partnerschaft. Und drittens „bin ich schließlich auch selbst Biergenießer und finde es sehr beruhigend, zu wissen, dass bei Eichbaum mit besten Zutaten aus der Region gebraut wird.“