Auf Kneipentour

EIN TAG MIT ARMIN HOFMANN

Keine Frage: Der Mann hat schon so einiges bewegt in seinem Berufsleben. Über eine Million Getränkekästen und an die 20.000 Bierfässer kommen da bei einer Pi-mal-Daumen- Schätzung zusammen – insgesamt mehr als 20.000 Tonnen, das Leergut nicht mitgerechnet. Seit 13 Jahren beliefert Eichbaum-Fahrer Armin Hofmann Abholmärkte und Gastronomen in der Region, und zu den wichtigsten Eigenschaften der Lokale auf seiner Tour gehört für ihn die Anzahl der Treppenstufen in den Keller. Wir haben ihn bei seinem Kraftakt einen Tag lang begleitet.

Eine Kneipentour stellt man sich ja eigentlich ein bisschen anders vor. Kaum eine davon beginnt um sechs Uhr morgens, und die Behältnisse, die man dabei hochhebt, überschreiten doch eher selten ein Füllvolumen von 0,5 Liter. So gesehen fallen Armin Hofmanns Kneipentouren ziemlich aus dem Rahmen: Meistens ist es noch nicht einmal hell, wenn er seinen Koffer-Lkw vom Areal der Privatbrauerei Eichbaum in der Käfertaler Straße in Mannheim lenkt – vollgepackt mit Getränkekästen und Fässern, die größten jeweils rund 60 Kilo schwer.

Ob ihn ein harter oder ein richtig harter Arbeitstag erwartet, erfährt der 39-Jährige immer schon am Abend vorher von der Disposition. Mehr Aussagekraft als die Zusammensetzung der Ladung hat für Hofmann dabei die Liste der Zieladressen. Viermal pro Woche beliefert er Getränke- und Supermärkte. Das ist zwar stressig, aber körperlich meist gar nicht so anstrengend, weil er die Kästen und Fässer dort mit Sackkarren, Hubwagen oder Staplern direkt bis zum Lagerplatz transportieren kann.

 

Wirklich heftig wird’s am Mittwoch, wenn er die Bierspezialitäten und Erfrischungsgetränke über teilweise verwinkelte Treppen in die Getränkekeller von Gaststätten und Restaurants wuchten muss. Zwar hat er bei den Gastro-Touren zusätzlich einen Helfer dabei, aber: „Da weiß man abends dann schon, was man getan hat.“

„Da weiß man abends, was man getan hat“

Heute ist Mittwoch, also voraussichtlich einer von den richtig harten Tagen. Und dass morgen Vatertag gefeiert wird, macht die Sache nicht besser. Denn natürlich will kein Gastronom das Risiko eingehen, dass seine Gäste an so einem Tag auf dem Trockenen sitzen. Für Hofmann bedeutet das: noch mehr Abladestellen, noch umfangreichere Bestellungen – und damit auch noch mehr Stufen.
Dabei fällt es meist schon an einem ganz normalen Mittwoch schwer, den Feierabend zu planen. „Man weiß eigentlich nie so genau, wann man nach Hause kommt“, meint Hofmann. „Das kann um vier sein, oder erst um sieben. Und manchmal ist man auch einfach zu kaputt, um noch etwas zu unternehmen.“

Irgendwo an der Bergstraße, in der zweiten Halbzeit seiner heutigen Tour, lüftet Hofmann dann so ganz nebenbei das Geheimnis für seine gute Laune: „Der Job hat halt auch viele schöne Seiten. Mir macht vor allem die Zusammenarbeit mit den Kunden Spaß. Mit den meisten von ihnen verstehe ich mich richtig gut.“ Ein wichtiger Faktor ist für ihn das Vertrauen, das ihm die Gastronomen entgegenbringen. „Da zählt eigentlich keiner nach, ob die Lieferung komplett ist. Schließlich wissen alle: Falls tatsächlich mal etwas nicht stimmt, dann wird das so schnell wie möglich und ohne Umstände in Ordnung gebracht.“

Mitunter gehen die Licht- und Schattenseiten seines Berufs sogar direkt ineinander über – zum Beispiel beim Klostercafé in Lorsch. Nachdem Armin Hofmann dort zusammen mit seinem Helfer Bali Rrafshi zig Getränkekästen und etwa ebenso viele 50-Liter-Fässer über eine holprige Steintreppe in den Keller getragen hat, lädt der Wirt die beiden zu einer erfrischenden Braumeisters Limonade in die Gaststube ein. Den Lieferschein hatte er schon vorher quittiert – nach dem Motto „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“.

Über Land. Hofmanns lange Tage haben ihre schönen Seiten.